Wir leben in merkwürdigen Zeiten, nicht nur das Corona uns in der Bewegungsfreiheit einschränkt und wir uns den Regeln des Social-Distancing unterwerfen müssen. Nein, wir legen uns auch selbst immer neue Verhaltensbarrieren auf.
Während unsere Eltern oder Großeltern für die sexuelle Revolution gekämpft haben und sich in Folge dessen die Moralvorstellungen gewandelt haben, nackte weibliche Brüste waren kein Tabu mehr und selbst in der Werbung für Duschbad und Shampoo waren die Darsteller tatsächlich nackt, haben wir vor einigen Jahren begonnen uns den Regeln die amerikanische Konzerne vorgeben zu unterwerfen.
Auf der Jagd nach likes werfen wir die Freiheiten die wir haben leichtfertig über Bord und bewegen uns damit langsam zurück in die Zeit als bereits das Zeigen eines Knöchels für eine Frau höchst unschicklich war.
Das schlimme dabei ist, dass wir es freiwillig tun, niemand zwingt uns ausser uns selbst.
Es droht die vorübergehende Verbannung aus sozialen Medien wie Facebook und Instagram. Im Wiederholungsfall sogar die komplette Sperrung des Accounts. Einsprüche dagegen sind in der Regel sinnlos, da diese recht offensichtlich von Computeralgorithmen bearbeitet und abgelehnt werden.
Die Konzerne deren bigotten Moralvorstellungen wir uns freiwillig unterwerfen, halten nackte Körper, insbesondere wenn diese weiblich sind, für gefährlicher als Bilder von Toten, Exekutionen und Waffen. Wir reden gerne von Gleichberechtigung der Geschlechter, aber was tun wir gegen die ganz offensichtliche Ungleichberechtigung durch Facebook, Instagram und anderen sozialen Medien? Ganz offensichtlich nicht allzu viel, der Schritt diesen Plattformen den Rücken zu kehren ist den meisten zu groß, es könnte zu persönlichen Einschränkungen führen die wir nicht für uns akzeptieren wollen. Da ist es doch einfacher sich den Regeln zu unterwerfen und unsere persönlichen Freiheiten über Bord zu werfen.
Mittlerweile sind diese neuen Moralvorstellungen auch auf Platformen für Fotografie angekommen.
Nachdem ich meinen Account bei 500px im Rahmen eines vorzeitigen Frühjahrsputzes verloren hatte, wurde jetzt dieses Bild auf einer anderen Platform als Pornografie eingestuft.

Model: Sara Scarlet

Und wieder gibt es dort keine klaren Regeln, es gibt einen Schalter mit dem ein Bild als nur für Erwachsene gekennzeichnet werden kann, welchen ich aufgrund der Tatsache das weibliche Brüste und ein Hauch von Schamhaar zu sehen sind auch genutzt habe.
Irgendwie erinnert mich das alles an ein Zitat eines amerikanischen Richters “I know it when I see it”. Für mich persönlich hat dieses Bild nichts mit Pornografie zu tun, es ist Kunst mit einem Zusammenhang zur aktuellen COVID-19 Situation. Aber wer bin ich um so etwas zu entscheiden.